Narben
- Folge von Unfällen, Verletzungen und Operationen
- Beschränkung in unserer Bewegungsfreiheit

Wir blenden unsere Narben aus: Blinddarm, Galle, Kaiserschnitt - und wir sind dabei so erfolgreich, dass wir nicht bemerken, wie stark wir uns um diese blinden Flecken in unserem Körper herumbewegen. Erst wenn wir Knieprobleme bekommen, unsere Schulter schmerzt oder unser Nacken steif wird, fällt unser dieser weiße Fleck auf der Landkarte wieder ein.

Ihr Experiment zur eigenen Wahrnehmung

Machen Sie doch einmal selbst das Experiment, gehen Sie auf und ab und legen sie die Hand nacheinander über die recht Leiste, unter ihren rechten Rippenbogen oder über ihr Schambein und ziehen Sie sich unter der Hand ein wenig zusammen. Zudem versuchen Sie Bewegungen unter ihrer Hand zu vermeiden. Dadurch werden Sie ziemlich sicher die ungewöhnlichsten Verspannungen irgendwo in ihrem Körper erzeugen.

Narben, ob oberflächlich oder tief reichend, ob durch Unfälle oder Operationen, ob auf der Haut sichtbar oder unter intakter Haut liegend, sie sind meist auch nach vollständiger Abheilung eine „bleibende Wunde“.

Die Beschreibung einer eigenen Narbe enthält oft die folgenden Wahrnehmungen:

  • Gefühlsloser Bereich
  • Nicht zu mir gehörend
  • Juckt immer wieder
  • Meldet sich bei Wetteränderungen
  • Strahlt über den sichtbaren Bereich der Narbe aus
  • Schmerzt bei speziellen Bewegungen

Narben, mehr als nur das Schließen der Oberfläche

Eine Narbe wird nicht nur die Haut schließen, so als ob wir einen Riss in unserer Hose wieder zusammennähen, sondern je nach Tiefe auch umliegendes Gewebe mit beeinträchtigen. Es ist, als würden wir den Riss in unserer Hose auf der Haut zusammenkleben. Bei jedem Schritt bewegt sich die Hose und zieht dann an dieser Naht- und Klebestelle. Wir werden wahrscheinlich unser Bewegungsmuster sehr schnell so abändern, dass möglichst wenig an der Verklebung von Hose und Haut gezogen wird. Nun ist Ziehen an Haut noch vergleichsweise harmlos, unser Schutzmechanismus springt jedoch viel nachhaltiger an, wenn Organe oder Nerven betroffen sind. Organe, und damit unser Stoffwechsel, haben eine viel höhere Priorität als unser Bewegungsapparat - wenn unser Auto kein Benzin mehr hat, diskutieren wir auch nicht mehr über gutes Kurvenverhalten bei Glätte.

Wir umlaufen unsere Verletzungen,

  • eine Gallen-OP kann unsere rechte Schulter beeinträchtigen
  • eine Blinddarm-OP kann das Abrollen auf dem rechten Fuß ändern
  • ein Kaiserschnitt kann das Öffnen der linken Hüfte beim Gehen verändern.

Wiedereingliederung

Die Narbenarbeit von Sharon Wheeler zielt nicht auf eine kosmetische Verbesserung - diese ist oft ein schöner Nebeneffekt - sondern auf eine funktionale Eingliederung der Narbe in das umliegende Gewebe.

Sharon Wheeler hat ihre Arbeit im 4. International Fascia Research Congress vorgestellt: http://www.fasciacongress.org/abstracts_2015.php
Zusammenfassung zu o.g. Link:

  • 3 Frauen (58-63) mit 12-43 Jahre alten Narben im Bauchraum
  • Ultraschall-Bilder vor der Behandlung
  • Einmalige ca. einstündige Behandlung
  • Kontrollbilder im Ultraschall 14 Tage nach der Behandlung
  • Ausdehnung und Festigkeit der Narbe hatten abgenommen
  • Wiederherstellung unterscheidbarer Gewebe-Ebenen
  • Lösung des tieferliegenden Narbengewebes von der Haut von 1,79 cm auf 2,74 cm

Zwar steht eine wissenschaftliche Erklärung dessen, was in der und um die Narbe herum im Gewebe passiert, noch aus. Aus subjektiver Sicht der Betroffenen und der Behandler nimmt die Spannung im Narbenbereich jedoch nachhaltig ab, die Sensibilität im Narbenbereich kehrt meist zurück und die Narbe wird vermehrt als „zum Körper gehörig“ beschrieben. Gerade die letztgenannte Integration ist für die Betroffenen ein entscheidender Vorgang.

Die Narbenbehandlung ist völlig schmerzfrei, Schmerzen sind sogar eine Kontraindikation. Die Narbenbehandlung wird meist sogar als sehr angenehm empfunden.

Inhalte aus dem deutschen Narbenportal