Ist Rolfing schmerzhaft?

Es gibt immer noch das Missverständnis, dass Rolfing so schmerzhaft ist, dass man eigentlich vom Tisch springen will. DAS IST FALSCH! Richtig ist, dass es im Rolfing eine breite Palette an Intensitäten gibt, was jedoch auch zu dem Missverständnis führt, das die Berührung immer intensiv sein müsse, frei nach dem Motto. „viel hilft viel”.

Die Kunst im Rolfing besteht darin, eine für das jeweilige Gewebe richtige Berührung zu finden und zu nutzen, um Veränderungen dort durchführen zu können, wo es notwendig ist.

Stellen Sie sich ein Tischtuch vor, das auf einem sehr großen gedeckten Tisch liegt und es gibt Falten, die Sie vom Rand aus nicht erreichen können. Wenn Sie sehr umsichtig vom Rand aus am Tischtuch ziehen, können Sie auch Falten in der Mitte des Tisches erreichen. Das ist offensichtlich nicht nur eine Frage von Kraft, sondern Sie wollen mit einem ausbalancierten  Zug das Tischtuch zum Gleiten über der Tischplatte bringen. Dabei sollen sich Großmutters Suppenterrine ebenso mitbewegen wie die halbvollen Sektgläser. Das bedeutet, dass Sie nicht unachtsam und schnell ziehen dürfen, da sich dann zwar das Tischtuch bewegt, das halbvolle Sektglas aber umfällt. Um das Beispiel noch weiterzutreiben, stellen Sie sich nun vor, dass um die Suppenterrine gekleckert wurde und die Terrine mit dem Tischtuch und das Tischtuch mit dem Tisch verklebt ist.

Schmerzhaft ist nicht sinnvoll

Wir vermeiden wenn immer möglich Schmerzen, d.h., wir fassen nicht zweimal auf die heiße Herdplatte, denn kein Schmerz ist bei der heißen Herdplatte sinnvoll! Wenn wir also eine vergrößerte Freiheit z.B. im Schultergelenk erlangen wollen, uns aber schon bei der Erinnerung an den letzten Bewegungsversuch der kalte Schweiß ausbricht, dann werden wir das als nicht sinnvoll verwerfen und unsere Bewegungen wieder kleiner auslegen.

Übertragen auf Rolfing bedeutet dies:

  • Intensität. Sie richtet sich nach Regionen, die wir erreichen wollen.
  • Timing. Es muss die Bereitschaft zur Bewegung innerhalb des Gewebes geben.
  • Antwortverhalten. Unterschiedliche Gewebearten reagieren unterschiedlich schnell.
  • Verklebungen. Narbengewebe und Bewegungseinschränkungen führen zu unterschiedlichen Gewebeeigenschaften.
  • Entfernung. Es werden nicht nur Gewebebereiche beeinflusst, die direkt berührt werden, sondern auch entferntere Bereiche.