Der fehlende Körper-Kompass

Nach einem Unfall - wir haben uns z.B. unseren rechten Fuß verstaucht - versuchen wir dem Schmerz auszuweichen und nehmen ganz unterschiedliche Schon- und Schutzhaltungen ein. Wir treten vielleicht nicht mit dem ganzen Fuß auf, wir heben eine Schulter an, wir atmen nicht mehr ganz aus.

Fehlende Aufrichtung

Der Schutz kann auf ganz verschiedenen Ebenen wirken.

Strukturell: Wir entlasten das Gelenk durch verändertes Auftreten, z.B. nur noch auf dem Außenspann.
Ausrichtung: Wir ändern unsere Organisation in der Senkrechten durch Änderung unserer Atmung und Heben unserer Schulter.
Funktional: Wir ändern möglicherweise die Größe unserer Schritte.
Orientierung: Wir schauen viel häufiger oder weniger oft auf den Boden, wenn wir laufen.

Unser Körper hat keinen Kompass, die Nadel findet nicht automatisch wieder die Ausrichtung nach Norden. D.h., nach dem Ausheilen unserer Verstauchung im Fuß wird sich nicht automatisch unsere Schulter wieder senken. Zudem wird die Atmung nicht wieder eine ruhige Ausatemphase finden oder die Schrittgröße sich angleichen. Auch die Orientierung zum Boden kehrt nicht automatisch in den alten Zustand zurück. Wir haben uns verändert und unser Körper wird diese Veränderung verinnerlichen. Sie wird in unserem Körpergewebe  zu einem anderen Gleiten der Faszien führen sowie zu einem geändertem Verhältnis von tonischen zu phasischen Muskelfasern (Wikipedia zu Muskelfasern). Auch unser eigenes Körperbild (d.h. welcher Bewegungsspielraum wird als sicher eingeschätzt) wird sich anpassen und zwar durch eine veränderte Bewegungs-/Muskelkoordination.

Rolfing - Strukturelle Integration adressiert all diese Facetten der Körperanpassung und hilft eine neue, weniger aufwändige, weniger Energie verbrauchende Organisation und Struktur zu finden.

Aufrichtung im Rolfing

Rolfing sucht eine möglichst ausbalancierte Ausrichtung in der Schwerkraft, um sich daraus heraus effizient bewegen zu können. Wenn ein Fuß verletzt wurde, gilt es nicht nur die Spannungen in der eigentlichen Verletzung zu lösen, sondern auch die Kompensationen im Körper zu beseitigen. Zudem muss das eigene Köperbild an die neuen Möglichkeiten angepasst werden. Andernfalls könnten wir zwar den Fuß wieder "normal" bewegen, fallen aber immer wieder in unser "Ausgleichs-Schema" zurück. Rolfing ändert fasziale Strukturen und nervliche Steuerung durch die manuelle Arbeit des Rolfers und leitet darüber hinaus Bewegungen an, den veränderten Bewegungsraum im Täglichen zu nutzen.